Erster Sieg in Ischgl im Sprint

Lena´s Abenteuer Ironbike Ischgl

Abenteuer Mountainbike Marathon in Ischgl

Es ist 4.30 Uhr Samstagmorgen. Mein Trainer weckt mich mehr oder weniger liebevoll mit einem Schrei – Kompanie aufstehen.

Nicht ganz meine Zeit denke ich noch, aber zu spät, die Uhr tickt und mein Ablauf beginnt zu rennen. Wie immer am Morgen das gleiche Ritual. Brustgurt umschnallen und die Messung mit meinem Vitalmonitor folgt.

Alles schaut gut aus, Stresswerte cool, HRV Index passt und ich, naja ich fühle mich rundum wohl. Also ab auf den Balkon und schon geht’s los mit leichter Mobilisierung. Nach diesen 15 Minuten bin ich hellwach, springe unter die Dusche sitze pünktlich am Tisch.

5 Uhr früh, Essen fassen. Alles steht schon bereit, leckerer Gemüsesalat mit Proteinen, Leinsamen, dazu gibt’s Rührei danach noch etwas Melone. Ich bin satt !

Vergnügen am frühen Morgen !

Beim Essen lasse ich mir Zeit und ich freue mich wie ein kleines Kind auf das was da jetzt kommt. Ja den Marathon schon auch, aber JETZT gibt es erstmal den weltbesten Cappuccino den ihr euch vorstellen könnt. Würzig duftender Kaffee mit einem Milchschaum wie eine lockere leichte Wolke.

Ach ja die Wolken. Beim Blick aus dem Fenster Richtung Ischgl hoch ahne ich nichts Gutes. Heute Nacht wütete ein Unwetter, das der Strecke wohl richtig zugesetzt hat. Aber weiter im Programm, daran kann ich eh nix ändern.

Wie immer haben wir bereits am Vorabend gemeinsam meine Race Bikes fertig gemacht. Für mich ist es mittlerweile zum Ritual geworden, dass ich mir nochmal ganz ruhige 15 Minuten gönne und alles gegenchecke. Sind alle Schrauben fest, passt die Kettenspannung, sind die Klickpedale in Ordnung, wie schauen die Reifen aus und und und………..

Und wenn ich ehrlich bin, wäre das gar nicht notwendig, aber dabei werde ich so schön ruhig und ich fokusiere mich auf das was dann auf mich zukommt.

Mittlerweile ist es 6.30 Uhr. Ganz schön viel, was man so braucht denke ich mir als wir all die Dinge in unser Auto verstauen.

7.00 Uhr Ankunft an der Strecke. Wenn mich nicht alles täuscht, bessert sich das Wetter. Wie immer bin ich schon wieder auf der Suche nach einer Toilette, ja genau, das geht jetzt so weiter bis zum Startschuss, aber so ist das nun mal bei mir.

Wir versuchen so viele Infos vom Rennleiter Mario Billich zu bekommen als nur möglich. Die Infos sind super wichtig. An der Greitspitze, wo wir vor 2 Tagen bei der Besichtigung noch bestes Wetter hatten ist es wohl sehr tief geworden. Ich merke wie es mir die Haare auf den Armen aufstellt, als ich das so höre.

Hoch zur Greitspitze, das ist eine einzig brutal steile Rampe nach einem 12 km langen Anstieg, die jetzt noch schwieriger geworden ist. Auch ein Trail wurde abgeändert, weil das heftige Gewitter vom Vortag hier Schäden verursacht hat.
Ich merke wie ich langsam immer ruhiger werde und ich Vieles nur noch ganz dumpf wahrnehme, so als wäre ein leichter Nebelschleier über Allem. Das Zeichen für mich – es ist Zeit auf´s Bike zu gehen um mich warmzufahren.

08.15 Uhr – ich stehe in der ersten Startbox, nett hier denke ich und wage einen kurzen Blick zurück. Tausende Biker freuen sich darauf uns zu jagen. Cooooooolllllll.
Wie immer vorm Start, mache ich mit meinem Trainer noch ein paar kleine Reaktionsspielchen um mental voll da zu sein. Jetzt geht’s dann gleich los.
8.30 Uhr der Startschuss fällt und ich bin drin im Rennen. Im Gegensatz zu früheren Jahren, habe ich jetzt immer einen Plan was ich mache. Im Prinzip arbeite ich nur sauber ab, was wir im Vorfeld besprochen haben.
Läuft gut und ich habe im Nu die ersten 30 km hinter mich gebracht. 1000 Höhenmeter sind auch schon geschafft, also bleiben ja NUR noch 2820 Höhenmeter. Ich fahre im Ort an der ersten Feedzone vorbei. Ein paar Worte noch von meinen Betreuern und schon hänge ich voll im Anstieg drin.
Jetzt ist Schluss mit lustig. Ich kontrolliere nochmal meine Werte. Trittfrequenz passt, Watt passen. Also los geht’s, 12 km steil bergauf. Kehre um Kehre geht’s höher, manchmal höre ich sogar ein paar Kuhglocken in der Stille am Berg. Wenn es nicht so hart wäre, dann wäre es idyllisch hier.

Dann passiert es, ich vergesse all die Qualen und kann fahren wie in Trance.

Ich höre mein eigenes Herz schlagen, es ist wie ein Rhythmus der mich ganz einfach den Berg hochtreibt.
Mir fällt wieder ein welche Schwierigkeiten es am Anfang der Saison gab – welche Bikes werde ich fahren dürfen ? Als dann Intersport Österreich mit den Genesis Bikes zusagte sprangen wir alle um den Tisch vor Freude.
Deshalb habe ich mich auch so gefreut als ich vor ein paar Wochen den 53km Marathon bei der Salzkammergut Trophy gewinnen konnte. Das war ganz allein ein Sieg für Intersport und die Jungs und Mädels dort, die sich alle so reinhängen.

An der nächsten Feedzone werde ich aber jäh aus meinen schönen Träumen gerissen.
Mein Trainer sagt mir, dass ich nicht rund trete und in manchen Dingen technisch nicht sauber fahre.

„Puuuh, was will er von mir, was soll ich machen ???“

Ich versuche nach und nach konzentriert all die Dinge umzusetzen und siehe da ich fühle mich wieder super wohl auf dem Bike. Keine Schmerzen und ich komme zügiger voran.

Meine Betreuer machen heute Berggondel Hopping. Von einer Bergstation zur anderen mit dem ganzen Equipment, auch das ist eine sportliche Leistung.

Ich komme kurz unterhalb der Greitspitze an. Es geht noch immer ganz gut, aber ich habe Respekt. Schon ist alles aber wieder gut, ich höre die Stimme meines Trainers der die ganze Rampe hoch neben mir herläuft. Lena atme ruhiger und tiefer, zwinge dich dazu, schau etwas weiter vor das Vorderrad, arbeite mit dem ganzen Körper im Anstieg.
Das hilft mir, wie immer. Ich fühle mich sicher und es geht die Post ab. Oben angekommen wird die Stimme meines Trainers immer leiser, ich befinde mich im langen Trail und bin guter Dinge. Was muss ich machen ?
Vorausschauend fahren und nicht das letzte Risiko eingehen und vor allem technisch sauber fahren hat er gesagt.
In dem Augenblick zischt es an meine Hinterrad. Na super, denke ich, der Wind ist es wohl nicht. Also Notfallplan A kommt zum Zuge. Runter vom Bike und los geht’s. Jetzt bin ich froh und mir ist jetzt auch klar warum wir gestern noch unter Belastung Reifenwechsel geübt haben.

Jetzt schießt mir alles durch die Birne, ich glaube sogar mein Laktat im Kopf zu spüren. Ganz kurz neige ich dazu in Hektik auszubrechen. Ich beginne leicht zu frieren, aber ich mache einfach weiter.

Oh Mann ich wollte doch noch weiter nach vorne.

Im Anstieg unten war ich Siebte und konnte bis hierher 2 Plätze gut machen.
Im Trail bin ich doch auch stark und vielleicht hätte ich noch was gut machen können weiter nach vorne. Aber was höre ich im Training immer. Hätte, Wenn und Aber, zählt alles nix es ist wie es ist und geh ganz einfach mit der Situation sachlich um.
Also sachlich, ok. Reifen drauf Luft rein und ab durch die Mitte. Wie im Flug erreiche ich Samnaun in der Schweiz. Hübsch hier denke ich noch. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht was auf mich noch zukommt.

Der Palinkopf, 2864 Meter hoch und steil wie Sau. Alles was das Herz begehrt. Große loose Steine in den Rampen, rauf auf´s Bike, runter vom Bike und das alles nach knapp 3000 Höhenmeter und knapp 65 km.

Ich merke langsam wie mich meine Kraft verlässt. Sepp, mein innerer Schweinhund meldet sich jetzt immer öfter. Ich mache das normal im Stillen, dass ich ihm widerspreche, aber jetzt geht es nicht mehr.

Ich schreie ihn laut an, er soll sich ruhig verhalten und sich später bei mir melden wenn ich im Ziel bin.

Es hat geholfen, von dem Zeitpunkt an hatte ich ruhe vor ihm. Nach einer gefühlt endlosen Schinderei da hoch auf den Palinkopf denke ich nur noch an Eines. Jetzt im Trail sauber fahren, alles was ich kann nochmal reinhängen und nicht noch einen zweiten Defekt riskieren.

Dann ging alles schnell, ich hörte einige Begleitmotorräder und Jubel aus dem Zielgelände. Ok, ich kann den Zielbogen sehen es ist geschafft. Schnell nochmal Mund abputzen und hübsch machen und ab durch´s Ziel.

Quälen war schon immer mein Ding, aber das war nochmal eine Stufe höher. Einer der schwierigsten Marathonstrecken als 5. zu bewälten, darauf bin ich einfach nur noch stolz.

Einige Stunden später bei der Siegerehrung wurde mir so richtig bewusst was ich geschafft habe, als ich all die Marthonprofis sah. Es treibt mich an noch härter an mir zu arbeiten, ich will da auf´s Podest fahren. Wenn möglich schon im nächsten Jahr.

Also Greitspitz und Palinkopf – auf ein Neues im Jahr 2016.

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